Live at Saint-Merri

Thomas Lehn, Tiziana Bertoncini

★ 5.00 1 ocen
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Rok
2024
Kraj
Germany, Austria, & Switzerland
Format
File
WAV, Mini-Album
Label
ANTI MATTER PLANT
2004-2024:12
Electronic Abstract
Identyfikatory
Other: 2004-2024:12
Tracklista
1
Live at Saint-Merri
24:45
Notatki wydania
Der Konzertmitschnitt entstand im Rahmen des Festivals Imprudences 28. Mai 2015 in der Kirche Saint-Merri in Paris durch Massimo Carrozzo. Tiziana Bertoncini: Welche Erinnerungen weckt dieses Konzert 2015 bei mir? Die Ankunft in Paris CDG am Terminal 1 mit seinem Netz von Rolltreppen und Laufbändern; Thomas bemerkt beim Abstieg, bereits außerhalb des Sicherheitsbereichs, dass er seinen Synthesizer im Flugzeug vergessen hat. Mit einem Sprung, der an Jason Bourne erinnert, springt er von der abwärts fahrenden Rolltreppe auf die aufwärts fahrende, um zurückzulaufen und sein Instrument zu retten (was ihm auch gelingt!). Dann mieten wir ein Auto, das wir am nächsten Tag brauchten, um in die Region La Creuse und dann in die Auvergne zu fahren und meine Klanginstallation Sinfonia Invisibile im Rahmen des Land-Art-Festivals horizons aufzubauen. Wir fahren die Pariser Periferique entlang, mit Warteschlangen und Dutzenden von Motorrollern, die von links und rechts überholen und zwischen Autos hindurchfahren. Dann, endlich im Zentrum angekommen, lassen wir das Auto auf dem Parkplatz vor dem Centre Pompidou stehen, das sich neben der Kirche Saint Merri befindet. Wir spielen noch am selben Abend. All diese etwas stressigen Umstände sind in der Musik überhaupt nicht zu spüren. Ich kann noch einen weiteren ‘Rückschlag’ erwähnen, und zwar, dass aus irgendeinem Grund die Verbindung zwischen Synthesizer und Geige für das sound-processing nicht funktionierte. In diesem Fall empfand ich dies jedoch nicht als Rückschlag, denn ich spiele auch gern ohne Klangmodulation durch den Synthesizer, insbesondere dann, wenn die Akustik des Konzertraumes wunderbar ist, wie in diesem Fall in der Kirche Saint Merri. Solche Missgeschicke passieren nicht sehr oft. Das ‘ungebundene’, aber durch gegenseitiges tiefes Zuhören verbundene Spielen gibt der Musik einen anderen Atem und Klarheit. Und so hat dieses Stück eine besondere Weite und Transparenz, eine Dimension, die vom Kontingenten und Alltäglichen völlig abgekoppelt ist. Thomas Lehn: Ergänzend zu Tiziana’s Schilderungen, die ich gänzlich teile und hier nicht wiederhole, erinnere ich noch, dass mich die Kirche Saint Merri in ihrer so-Belassenheit beindruckt hatte: ein Raum, der keinem Spuren der Zeit übertünchenden Sanierungswahn zum Opfer gefallen ist. Die uralten Möbel und Einrichtungen, die gerade in ihrem So-belassen-sein, in ihrer Abgenutztheit Geschichte zeigen. Dazu das Dunkel und die Kühle des Kirchenraumes, mit seinen sicht- wie unsichtbaren Höhen und Weiten, mit in die letzten Winkel sich erstreckenden Ausklingzeiten. Eindrücke, die einen Jahrhunderte zurückzuversetzten scheinen und (un)bewusst in das Konzert einflossen.

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